Das Engadin digital transformiert
miaEngiadina feiert das zehnjährige Bestehen. Am Donnerstagabend haben Gründer und Präsident Jon Erni und sein Team zum Jubiläumsanlass eingeladen, und zwar an dem Ort, an dem alles begann.
Das Hochalpine Institut Ftan war die erste Institution, die durch miaEngiadina an schnelles Internet angeschlossen wurde. Hier, auf über 1600 Meter über Meer, wurde das erste Glasfaserkabel im Unterengadin verlegt. Heute ist die digitale Autobahn in weiten Teilen des Engadins ausgebaut. Zu verdanken ist dieses Glasfasernetz nebst miaEngiadina auch Energia Engiadina. Laut Claudio à Porta, Direktor Energia Engiadina und Geschäftsführer von miaEngiadina Network SA, profitierten die Initianten vor allem davon, dass Swissgrid das Hochspannungsnetz in der Region verstärken musste. Der Graben, der durch das Tal gezogen wurde, um die Stromleitung unterirdisch zu verlegen, konnte gleichzeitig für die Verlegung von Glasfaserkabel genutzt werden. «Das war der Grundstein», sagte Claudio à Porta während seines Auftritts in der mit geladenen Gästen gefüllten Aulas des Hochalpinen Instituts.
Ohne Glasfasernetz wären alle nachfolgenden Projekte und Initiativen von miaEngiadina nicht möglich geworden: eine neue Lernform, ein neues Arbeitsmodell, neue Treffpunkte, ein Innovationszentrum. Viele Betriebe, aber auch Privatpersonen könnten heute ohne schnelles Internet im Engadin nicht existieren. Damit das Netz, das heute vorhanden ist, weiterentwickelt werden kann, braucht miaEngiadina weitere Kunden. Heute sind gut 400 Nutzer angeschlossen. «Ich wünsche mir, dass die Menschen im Tal verstehen, dass es bei diesem Projekt um mehr geht als nur ums Internet», sagte Claudio à Porta. Und er wünsche sich mehr Mut in der Region, um innovative Projekte zu realisieren.
InnHub La Punt – ein Leuchtturm
Das sichtbarste Projekt von miaEngiadina ist der InnHub in La Punt, der gerade gebaut wird. Das Innovationszentrum wird frühestens Ende 2028 eröffnet und soll ein Begegnungsort werden, wo Arbeit, Gesundheit und Sport miteinander verbunden werden und eine nachhaltige Entwicklung der Region gefördert wird. Stararchitekt Norman Foster nennt es «einen überdachten Dorfplatz». Über 100 Millionen Franken kostet das Bauwerk. Entscheidende Persönlichkeiten, welche die Realisierung des Inn Hub ermöglicht haben, sind die Unternehmer Beat und Regula Curti. «Es ist ein Herzensprojekt, und es soll ein Leuchtturm für das Engadin werden», sagte Regula Curti. Sie wolle etwas an dieses Tal mit so reicher Kultur und unvergleichlicher Natur zurückgeben: Arbeitsplätze schaffen und anderen Menschen ermöglichen, «die Energie des wunderschönen Engadins zu erleben».
Die grösste Herausforderung werde sein, eine Community zu bilden, welche die internationale Welt mit der Welt vor Ort verknüpft. Aber La Punt heisse nicht von ungefähr «die Brücke». Als Säumerdorf sei das Dorf seit jeher ein Ort der Begegnung, des Waren- und Informationsaustausches. Auf diesem Boden wolle auch der Inn Hub La Punt bauen.
miaScoula – ein Herzensprojekt
Das Herzensprojekt von Jon Erni, Gründer und Präsident von miaEngiadina, ist die Digitalisierung der Engadiner Schulen. «miaScoula» gilt schweizweit als Pionierprojekt. «Wir haben damals gesagt: Will man das neue Schulfach Medien und Informatik einführen, muss das im ganzen Tal gemeinschaftlich erfolgen», so Jon Erni. 22 Schulen vom Bergell bis nach Samnaun haben bei miaScoula mitgemacht. Die Schulen wurden mit Glasfasern erschlossen, WLAN kam in die Zimmer, die Lehrerschaft wurde ausgebildet. War die Skepsis anfangs noch vorhanden, legte sich diese sofort, als Corona kam. «Das Engadin war bereit für Homeschooling, und die Rückmeldungen von Eltern, Lehrerschaft und Kindern waren nur positiv», erinnert sich Jon Erni.
miaEngiadina möchte die Schulen auch in Zukunft begleiten, gerade was die Kompetenzen bei Themen wie KI oder Social Media betrifft. «Wir wollen zeigen, wie diese Werkzeuge sinnvoll genutzt werden können.»
Lieder, ein Buch und Begegnungen
Am Donnerstagabend wurden als musikalische Umrahmung eigens zum Jubiläum von miaEngiadina komponierte Lieder von Cinzia und von Mia Amia präsentiert – Lieder, die von Mut, Innovation und Heimatliebe erzählen. Auch Martina Linn, die Chapella Erni und Gianni Tschenett haben Musik für die Jubilarin kreiert. Ein weiteres Jubiläumsgeschenk hatte in Ftan den ersten Auftritt: das Buch «Grazcha fich» von Autorin Sandra de Vito und Fotograf Frank Schwarzenbach. Es beinhaltet 20 Porträts von Menschen im Engadin, die das Tal und die Bewegung von miaEngiadina mitgeprägt haben. Und schliesslich bot der Anlass den idealen Rahmen, um genau das zu tun, wofür miaEngiadina steht: Vernetzung und Begegnung.
Autorin und Fotos: Fadrina Hofmann

